Carmelo Anthony hat zu hoch gepokert

Die Aktualität des Themas verlangt danach. Abermals widme ich mich also Carmelo Anthony. Und einem möglichen Trade, der vielleicht sogar heute noch über die Bühne gehen könnte. So wie es derzeit aussieht, hat sich die Situation so sehr zugespitzt, dass man getrost davon ausgehen kann, dass ‘Melo das Trikot der Nuggets zum letzte Mal getragen hat. Die besten Chancen, sich den dreimaligen All-Star Forward zu sichern, haben wohl nachwievor die New Jersey Nets. Alles steht und fällt jedoch mit Anthonys Hingabe seiner potentiellen neuen Franchise gegenüber. Ohne eine verbindliche Zusage hinsichtlich eines langjährigen Engagements von Melo bei den Nets, wird Mikhail Pokorov – Besitzer der N.J. Nets – nicht bereit sein, einer Trennung von Derrick Favors – immerhin Draftpick #3 2010 – und Devin Harris zuzustimmen.

Vier Teams sollen in diesem Trade involviert sein. Neben den Nuggets und Nets noch die Utah Jazz und die Charlotte Bobcats. Das Szenario sieht wie folgt aus, New Jersey schickt Favors und einen 2012er Erstrundenpick nach Denver, zudem Harris nach Charlotte. Im Gegenzug bekämen die Nets Anthony und – zumindest wünschen sie sich das – Point Guard D.J. Augustin von den Bobcats. Neben Derrick Favors würde noch Andrei Kirilenko von den Jazz nach Denver wechseln und die Nuggets bekämen wahrscheinlich einen zusätzlichen Draftpick. Die Utah Jazz könnten sich ihrerseits Boris Diaw von den Bobcats sichern.

Kann Nets GM Billy King die Verantwortlichen der Bobcats davon überzeugen D.J. Augustin abzugeben, macht dieser Trade tatsächlich für alle Beteiligten Sinn. Wenngleich darüber gestritten werden kann, ob der Trade New Jersey zu einem Titelanwärter avancieren lässt. Mit Carmelo und Center Brook Lopez hätten die Nets zwei legitime NBA Stars in ihrem Kader, doch ein gestandener Point Guard fehlt. Neben Augustin – wenn er denn überhaupt kommt – steht dem Team von der anderen Seite des Hudson Rivers lediglich Ex-Laker Jordan Farmar zur Verfügung. Weder Farmar noch Augustin traue ich zu, Anthony und die Nets tief in die Playoffs zu führen.

Betrachtet man den Trade aus dem Blickwinkel der Denver Nuggets, springt einem der Begriff „Neuanfang“ förmlich entgegen. Mit Derrick Favors erhielten sie einen jungen, talentierten und entwicklungsfähigen Forward für die Zukunft. Dazu noch einige Draftpicks, wobei der 2012er Erstrundenpick der Nets für die Picks eins bis sieben geschützt ist, und Denver ist für die kommenden Jahre gerüstet. Mit Andrei Kirilenko können sie zudem auch in der kommenden Saison die Playoffs ansteuern.

Die Jazz könnten Kirilenko mit Boris Diaw adäquat ersetzen und die Bobcats könnten im besten Falle Devin Harris für Diaw tauschen – kein schlechter Deal für Charlotte.

Dem Trade steht also lediglich der Drahtzieher im Weg – Anthony selbst. Ob er überhaupt für New Jersey spielen will, bleibt bisweilen ungeklärt. Seine erste Wahl, glaubt man den Gerüchten der letzten Tage und Wochen, ist New York. Doch die Verantwortlichen der Knicks zeigten sich von Beginn an zögerlich, wollte Donnie Walsh die neuformierte Mannschaft nicht gleich wieder auseinanderreißen. Für die Knickerbockers und letztlich auch für Carmelo Anthony wäre es optimal gewesen, wenn ‘Melo seinen aktuellen Vertrag bei den Nuggets unkommentiert auslaufen lassen hätte, um via Free Agency zu einem besseren und erfahreneren Knicks-Team hinzuzustoßen.

Den Knicks wünsche ich in dieser Phase bloß einen klaren Kopf zu bewahren und nicht zu viel in die Waagschale zu werfen. ‘Melo ist, wenn man die individuellen Fähigkeiten betrachtet, sicherlich einer der 15 besten Spieler der Liga. Einer, der die Knicks minus Danilo Gallinari oder Wilson Chandler und Anthony Randolph der angestrebten Championship näher bringt, ist er meines Erachtens jedoch nicht.

Möglicherweise hat ‘Melo zu hoch gepokert. Die Beziehung mit den Fans der Denver Nuggets ist angeknackst, der Weg zurück scheint also versperrt und sein Wunsch für die Knicks zu spielen, bleibt wohl oder übel ebenfalls unerfüllt.

Was glaubt ihr, für wen wird Carmelo Anthony in der kommenden Saison spielen? Laufen die Knicks eurer Meinung nach Gefahr, die Verpflichtung eines weiteren Superstars zu verpassen?

2 responses to “Carmelo Anthony hat zu hoch gepokert

  1. Hallo, zuerst einmal:
    Einen tollen Blog hast du. Lese sehr gerne deine Artikel.

    Ich denke Carmelo wird am Ende wohl in New Jersey landen, was bleibt ihm auch anders übrig.
    Geschieht ihm auch recht so. Denn mich kotzt die Loyalität der neuen Basketballgeneration echt an. Sobald es nicht so läuft wie man will wird das gesamte Team erpresst, auf die Fans eh gepfiffen und der eigene Wille auf Teufel komm raus durchgeboxt. Vorbei die Zeiten wo man noch mit Stolz ein Sixer, Celtic oder Laker war. Magic, Larry, David Robinson und Co. blieben auch ihren Teams treu und gewannen dabei Meisterschaften. Aber das waren halt noch Sportsmänner und keine Primadonnen…
    Meine Meinung dazu.

    • Zum Thema NBA Spieler und Loyalität teile ich prinzipiell deine Meinung. Wobei es mir nicht einmal darum geht, ob ‘Melo jetzt weg will aus Denver oder nicht. Es geht letztlich darum, wie man es vermittelt. Er hat sicherlich seine Gründe die Rocky Mountains verlassen zu wollen. Die Nuggets sehen sich definitiv einer ungewissen Zukunft gegenübergestellt. Einige Assistant Coaches wurden entlassen, darunter auch einer, der Anthony wohl nahe stand. Der Besitzer hat gewechselt und auch die Zukunft einiger Spieler im Kader ist ungewiss. Betrachtet man diese Aspekte, verstehe ich ‘Melo sehr gut. Doch genau wie LeBron hat er oder sein Camp den Wunsch getradet zu werden versucht zu erzwingen und so sollte das nicht sein. Andererseits ist es natürlich schwer in unserer medialen Welt noch etwas hinter verschlossenen Türen zu regeln. Wie oft werden in Berichten, bei denen es um mögliche Trades geht, anonyme Quellen herangezogen? Das ist längst an der Tagesordnung. Der Leser muss sich auf diese Informationen verlassen, aber ob hinter jeder Aussage auch das steckt, was daraus gemacht wird, erfährt der Leser letztlich nicht. Möglicherweise wird ‘Melo in diesem Fall auch falsch von den Medien porträtiert. Man muss es also auch differenziert betrachtet. Trotzdem können sich Athleten natürlich auch heute noch diskreter verhalten. ‘Melo kann man sicherlich nicht komplett entlasten.

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