Carmelo Anthony > Lebron James

Gestern habe ich ein Gespräch mit einem Freund geführt, das hauptsächlich Carmelo Anthony und die Denver Nuggets behandelte. Wir waren beide der Meinung, dass Melo und die Nuggets derzeit näher am Gewinn einer Championship sind, als LeBron James und die Cleveland Cavaliers.  Klar, die Saison ist noch lang und bis zum Beginn der Playoffs kann noch einiges passieren, aber eine erste Einschätzung kann man nach 21 absolvierten Partien wagen.

Bemerkt haben wir außerdem, dass,  auch wenn Anthony derzeit, und wohlgemerkt auch letzte Saison, individuell sehr gut und im Team sehr erfolgreich spielt, er nur selten im gleichen Atemzug mit James, Dwyane Wade und Kobe Bryant genannt wird, wenn es darum geht, die besten Spieler der NBA zu filtern. Verdient hätte er es allemal. Momentan führt er die Liga mit 29,8 Punkten pro Spiel in Sachen Scoring an. Seine Denver Nuggets sind aufgrund ihrer 15 Siege bei sechs Niederlagen — dem besten Saisonstart in der Geschichte der Franchise — das zweitbeste Team der Western Conference. Carmelo profitiert zweifelsohne davon, dass er mit Chauncey Billups einen der besten Point Guards der Liga an seiner Seite hat, aber eine positive Weiterentwicklung kann man ihm nicht absprechen. Im Gegensatz zu LeBron James dauerte es bei Melo einige Jahre, bis er sich in der NBA etablieren konnte. Möglicherweise wird er gerade deshalb nachrangig betrachtet. Auch den Vergleich mit Dwyane Wade mag Melo in den meisten Diskussionsrunden zurzeit noch verlieren, wobei dies insbesondere daran liegt, dass Wade bereits einen Championship Ring sein Eigen nennen kann.
Was jetzt folgt, ist ein rein spekulatives Szenario, doch wie würde sich die Hierarchie der drei vermeintlich besten Spieler des 2003er NBA Drafts verschieben, wenn Melo dieses Jahr den Titel holt?  Auf einmal hätten Anthony und Wade Zählbares vorzuweisen und der selbsternannte Auserwählte stünde plötzlich mit leeren Händen da. Wie bereits gesagt, hat D-Wade die NBA Finals mit den Miami Heat — der Franchise, die ihn auch gedraftet hat — gewinnen können. Bei Carmelo Anthony läge dann der identische Fall vor. Wenn es den Cavs jedoch auf der anderen Seite nicht gelingt diese Saison die Championship nach Cleveland zu holen, stehen die Chancen gut, dass LeBron das Team verlässt. Ein Imageverlust von „King James“ wäre vorprogrammiert, obgleich dieser in letzter Instanz mit den Schlagzeilen seines Wechsels übertönt werden würde. Und doch teilten wir das Gefühl, dass während Anthony kontinuierlich professioneller und konzentrierter wirkt, LeBron aufgrund seines Auftretens langsam aber stetig an Sympathien einbüßt. Ist ihm der bisherige Erfolg zu Kopf gestiegen? Anders konnten wir uns seine aufkeimende Arroganz nicht erklären.
Die gestrige Niederlage gegen die Charlotte Bobcats, in der Carmelo Anthony 34 Punkte und sieben Rebounds erzielte, die Nuggets in der Endphase aber nicht zum Sieg führen konnte, ist sicherlich als Rückschlag anzusehen. Trotzdem ist Denver weiterhin auf Kurs, eine erfolgreiche Saison zu absolvieren. Neben Melo hat das Team vor allem mit Billups, Nene, Kenyon Martin und J.R. Smith das notwendige Spielermaterial, um bis in die NBA Finals vorzudringen und sich die Trophäe zu erkämpfen. Spätestens dann wird Carmelo Anthony auch den Respekt ernten, den er schon jetzt verdient hat.

6 responses to “Carmelo Anthony > Lebron James

  1. interessanter blickwinkel. sehe das meiste bzgl. mellow ähnlich wie du.
    aber james jetzt wegen dieser einen szene mit der arroganz keule zu kommen. von solchen aktionen lebt doch auch insgeheim die ganze nba und da gab es in der vergangenheit ganz andere sachen bzgl. bron bei denen man das mit der arroganz hervorkramen konnte… wenn man denn unbedingt in diese richtung gehen will.
    meiner meinung nach ist james nicht weniger oder mehr arroganz als der großteil der spieler in der liga

    • Da hast du vollkommen Recht, die Szene mit Noah ist nur das jüngste Beispiel und deshalb habe ich sie verlinkt. Sein gesamtes Auftreten empfinde ich in manchen Situationen als grenzwertig. Das Nicht-Händeschütteln nach dem Ausscheiden in den Playoffs wäre eine weitere Sache und in dem Zusammenhang vor allem seine Rechtfertigung dafür im Nachhinein. In der Tat lebt die Liga von solchen Vorkommnissen/Charakteren und wie überall im Leben muss es Protagonisten und Antagonisten geben. Während eine Vielzahl von Medienoutlets LeBron zu Füßen liegt, habe ich eine differenziertere und kritischere Meinung zu ihm.

      • ok, ich muss zugeben: an die sache mit dem nicht hände schütteln habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht, my bad. da hast du auf jeden fall recht. sowas geht einfach nicht, besonders auch nicht das was er danach artikuliert hat. Ich bin jetzt weissgott kein Lebron Kiddie (dafür bin ich def. zu alt *g*) aber es kam mir schon immer ein bisschen so vor als würde bei ihm ein etwas anderer “maßstab” angelegt als bei anderen Spielern in seiner “kategorie”.
        ich gebe aber zu, je länger ich über diesen aspekt der aroganz nachdenke desto mehr tendiere ich in deine richtung …

  2. Stimmt natürlich, dass bei ihm ein besonderer Maßstab angelegt wird. Wer sich jedoch “The Chosen One” über den Rücken tätowieren lässt, der muss damit leben. Mir fällt da noch die Geschichte ein, als LeBron James das sagenumwobene Tape, in dem Jordan Henry im Talent-Camp über ihn gedunkt hat, hat angeblich konfiszieren lassen. Auch irgendwie seltsam. Wie angedeutet bin ich beim Thema LeBron nicht durchweg objektiv. Er ist ein besonderer Basketballer, aber auch er sollte seine Gegner respektieren.

  3. Ein interessanter Ansatz! Hat Spaß gemacht zu lesen.

    Für mich besteht der größte Unterschied zwischen Anthony und James in Sachen Führungsqualität. Während ich James, unabhängig von seinem teils sehr selbstbewussten/arroganten Auftreten als absoluten Leader anerkenne, der seine Mitspieler besser macht, sie in Szene setzt und einbindet, sehe ich Anthony als reinen Scorer (worin er jedoch verdammt gut ist)

    Nicht umsonst hat Anthony ohne Billups an seiner Seite wenig gerissen in Denver, auch ist er in meinen Augen nicht dazu in der Lage, ein Spiel wie James in der Defensive oder mit dem entscheidenden Pass zu gewinnen.

    Fakt ist jedoch, dass Denver momentan mindestens genauso gut, wenn nicht sogar einen Ticken besser als Cleveland spielt. Dennoch halte ich persönlich James für den deutlich wertvolleren Spieler.

  4. Pingback: NBA Blog: Trifecta Mag | HoopNation·

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