KNICKS-N-PIECES: Dunkelheit am Ende des Tunnels

15 Spiele haben die Fans der N.Y. Knicks hinter sich. Nur noch 67 Partien und die Horrorsaison ist zu Ende. Doch was dann? Zunächst einmal der Reihe nach. Bislang konnte man drei gute Spiele des Teams aus dem Big Apple beobachten, alle anderen Begegnungen zeigten uns unerbittlich alle negativen Aspekte auf, die das Team von Mike D’Antoni aufzubieten hat. Die back-to-back Siege gegen die Indiana Pacers und New Jersey Nets ließen ein gewisses Quäntchen Hoffnung aufkeimen und die Niederlage gegen die Boston Celtics vermochte die Aufbruchsstimmung nicht zu dämpfen. Denn trotz des Ärgers über eine unnötige Niederlage, konnte man Freude daran finden, wie sich die Knickerbockers präsentierten. Um ein Haar hätte man drei Siege in Folge einfahren können. Ein schlechter Switch von David Lee, zu zögerliches Herauslaufen von Al Harrington und der Jumpshot von Kevin Garnett zum Ablauf der Spielzeit in der Overtime ließ diesen Traum jedoch zu Sand werden, der viel zu schnell zwischen unseren Fingern entrinn und auf ewig verloren zu sein scheint. Was folgte war die Niederlage gegen die Los Angeles Lakers und jene knochenberstende Pleite gegen die Sacramento Kings, die sich in Form einer traurigen Komödie abspielte.

Gegen den amtierenden Meister zu verlieren ist keine Schande. Dazu noch hinter den feindlichen Linien, wobei angezweifelt werden kann, ob das Spiel im heimischen Madison Square Garden einen anderen Verlauf genommen hätte. Wahrscheinlich nicht. Gegen jene apathischen Knickerbockers war es für Kobe Bryant, Pau Gasol und Andrew Bynum ein Leichtes das „W“ in den Spielplan einzutragen und den Knicks ein weiteres „L“ hinzuzufügen. Locker schenkte Kobe der Verteidigung 34 Punkte ein, wobei er keine Schwierigkeiten hatte 14 seiner 20 Korbversuche im Netz der Knicks unterzubringen. Am Ende war der 100-90 Sieg der Lakers keine Sensation, denn mal ehrlich, kein Anhänger New Yorks hat damit gerechnet, dass man einen Sieg aus dem STAPLES Center stehlen könnte. Abgehakt.
Das Trauerspiel entfaltete seine volle Wirkung erst gegen die Sacramento Kings und ich erhebe hiermit Anspruch darauf, dass mit die Organisation und jeder einzelne Spieler sowie der Trainerstab Entschädigung dafür zahlt, dass ich mir diese Partie ansehen musste.
Mit der Ausnahme von David Lee, wie so oft, gelang es allen Spielern des Kaders zukünftige Free Agents davon zu überzeugen, dass sie nicht einmal mit dem Gedanken spielen sollten in New York einen Vertrag zu unterzeichnen. Solange die Hoffnung der Franchise auch nur zu einem kleinen Prozentsatz auf den Schultern von Wilson Chandler liegt, starre ich unendlicher Dunkelheit entgegen, einem Meer von unbeschreiblicher Größe voller Dunkelheit. Chandler ist nicht die Erklärung für die Misere der Knicks, aber seine Leistung ist exemplarisch und dient als Indikator für das, was mit den Knicks nicht stimmt. Wahrscheinlich ist Wilson Chandler allergisch dagegen Defense zu spielen und sein Antihistaminikum ist es, so viele schlechte Schüsse auf des Gegners Korb abzufeuern, wie nur möglich. Das gilt übrigens auch für den Rest des Rosters. Bei seiner Schussauswahl kann man sich jedoch nicht darüber wundern, dass lediglich sechs seiner 26 Würfe über die letzte zwei Spiele gesehen, ihr Ziel fanden. Nehmt euch an dieser Stelle einen Taschenrechner und seht selbst welch magische Zahl die Trefferquote des Forwards repräsentiert. Gegen die Kings traf das Team kollektiv nur 38,5 % seiner Würfe und ließ 39 (!!) Würfe von jenseits der Dreipunktelinie los.
Die Leistung der Sacramento Kings soll nicht dadurch geschmälert werden, dass hier nur von der Unfähigkeit der Knicks die Rede ist, aber faktisch schlägt sich New York bisweilen selbst, der Gegner hilft bei der Demontage lediglich mit. Dennoch war die Leistung von Donte Greene beachtenswert, auch wenn es ihm seine Gegenspieler nicht allzu schwer machten. Greene erzielte 24 Punkte, verteilte fünf Vorlagen, holte sich vier Boards und blockte sechs Würfe. Auch Rookie Point Guard Tyreke Evans nutze die Gelegenheit, um sein Talent zu zeigen. Am Ende verzeichnete er 17 Punkte, elf Rebounds und sieben Assists. 50 Rebounds und eine Trefferquote von 48,3 % aus dem Feld stellten den ungefährdeten Sieg der Kings sicher, der mit 111-97 nicht zu Unrecht so hoch ausfiel.
Folgende Schlüsse lassen sich an dieser Stelle ziehen: die Spieler im Kader der Knicks sind schlecht, das dürfte geklärt sein. Auch wenn sie vermeintlich einiges an Talent besitzen, so können sie es momentan nicht zeigen. Jeder spielt für sich selbst, keiner für den anderen und die Aufgaben, die alle erfüllen sollten, auch wenn sie vielleicht kein Spaß machen, vernachlässigen die Knicks nur allzu gerne. Beim Rebound wird weder ausgeblockt, noch richtig hochgesprungen. Überhaupt stehen die Spieler die meiste Zeit bloß herum, um zuzusehen, wie sich die Gegner den orangenen Ball mit dem Spalding-Schriftzug krallen. Nach Ballverlusten und Defensivrebounds der gegnerischen Mannschaft zurückzulaufen, das schaffen die Knickerbockers auf solch lustlose und lethargische Weise, wie kein anderes Team der NBA. Man bewahre mich davor noch mehr über das Defensivverhalten zu schreiben. Doch erschreckend schlecht ist auch die Offense. Die Wurfauswahl ist so schlecht, dass ich auch darauf nicht weiter eingehen möchte, was unteranderem daran liegt, dass es sich die Mannschaft spart, den offenen Mann zu suchen und der Spieler, der das Spielgerät in der nächstbesten Position in die Hände bekommt drückt einfach ab. So simpel ist das Spielsystem von Mike D’Antoni.
Es sei mir verziehen, dass ich nach wie vor an der Qualität des Trainers zweifle. Sicher, die Spieler stehen auf dem Court und spielen Basketball, nicht der Coach. An ihm ist es jedoch aus einem Haufen Individuen ein T-E-A-M zu formen.
Mit dieser Saison kann man wohl oder über abschließen, der perfekte Zeitpunkt also, um nur noch jene Spieler plus David Lee einzusetzen, die nächste Saison auch noch einen Kontrakt besitzen. Unerklärlich ist mir deshalb, warum Toney Douglas, der zu den positiven Erscheinungen der aktuellen Spielzeit zu zählen ist, so wenig auf dem Feld steht. Gleiches gilt für Jordan Hill. Auch in diesem Punkt steht D’Antoni in der Kritik, denn er vergibt Einsatzzeit an die, die man über 2009-10 hinaus ohnehin nicht in New York sehen möchte.
Kehren wir nochmal zur Frage zurück, was nach den verbleibenden 67 Saisonspielen passieren wird oder überhaupt kann. Zum einen haben die New York Knicks keinen Draftpick, was bedeutet, dass man kein neues Talent nach New York holen wird. Die Utah Jazz können sich also über jede Niederlage der Knicks freuen, denn der Lottery Pick gehört so gut wie ihnen. Mit besonderem Dank richten wir uns an dieser Stelle an Isiah Thomas. Desweiteren kann man sich momentan nicht vorstellen, dass überhaupt irgendein hochkarätiger Free Agent es jemals in Erwägung ziehen könnte für die Knickerbockers zu spielen. Ich würde LeBron James, Chris Bosh und wie sie nicht alle heißen persönlich davon abraten in den Big Apple zu kommen, wenn ihnen etwas an ihrer Karriere liegt. Sollte es Donnie Walsh doch irgendwie gelingen, entgegen meiner Erwartung versteht sich, die Knicks so zu sanieren, dass man in absehbarer Zeit wieder eine Chance auf die Playoffs hat, kaufe ich mir einen Hut, um diesen im Anschluss an das vollbrachte Wunder zu ziehen.

2 responses to “KNICKS-N-PIECES: Dunkelheit am Ende des Tunnels

  1. Nach viel zu langer Zeit mal wieder hier. Dieser Artikel war ein Genuss zu lesen. Hätte nicht gedacht, dass es so schlecht um die Knicks steht…
    Weiter so

    PETE

  2. hehe… n lesenswerter eintrag, auch wenn man merkt wie frustriert du gewesenbist. vielleicht gerade deshalb ?!😉

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